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Doppelleben in der Partnerschaft

Leben auch Sie seit Jahren bzw. Jahrzehnten in einer altbewährten, mittlerweile aber etwas langweiligen Partnerschaft? Nach aussen hin sieht alles sehr harmonisch und aufeinander eingespielt aus? Andere beneiden Sie um Ihr „Glück“? Dabei wissen doch nur Sie allein, wie es wirklich in Ihrem gemeinsamen Leben aussieht.
Vielleicht führen Sie bereits seit kurzer Zeit oder auch seit längerem eine Art „Doppelleben“? Ein – vermutlich ganz anderes Leben – abseits vom täglichen Trott? Aufregend und anders.... ?! Es mag einige geben, die nun entrüstet die Nase rümpfen und mit dem Finger auf diejenigen deuten, von denen sie annehmen, dass sie sexuelle Abenteuer und auch mehr mit einem anderen als dem eigenen Partner haben.
Aber seien wir einmal ganz ehrlich: wer hat nicht schon davon geträumt (wenn vielleicht auch nur heimlich), eine erfrischend andere Beziehung als die altgewohnte zu führen? Meist scheitert die Umsetzung solcher Phantasien nur an der Angst, etwas verlieren zu können – seien es materielle Werte wie das miteinander gebaute oder zumindest finanzierte Haus, das schöne grosse Auto, die gemeinsamen Ersparnisse etc. Die Finanzen kitten quasi aneinander, was sich längst auseinander gelebt hat. Das bequeme Zuhause und der finanzielle Standard sind wichtiger als sich wieder lebendig zu fühlen.

Ein weiterer Faktor ist oft mit entscheidend, sich nicht zu trauen: was würde die Familie, was würden die Eltern, Verwandten, gemeinsamen Freunde, Bekannten und Nachbarn sagen, käme der Seitensprung ans Tageslicht der Öffentlichkeit? Mit welchen Konsequenzen hätte man dann zu rechnen? Eventuell dem Verlust sämtlicher sozialer Beziehungen? Hier kann man sich getrost vor Augen halten: wer sich in einem solchen Fall von einem abwendet, der ist es nicht wert, weiterhin Kontakt zu ihm zu halten. In einer solchen Situation ist es besser, sich neue Freunde zu suchen und sich – auch wenn es die Familie ist – von Menschen abzuwenden, die nicht zu einem halten, wenn man beschliesst, sein Leben zum eigenen Wohle zu verändern. 
Falls Sie sich bereits derartige Gedanken gemacht haben und aus den erwähnten Gründen trotzdem an Ihrer Partnerschaft festhalten, ein unerfülltes Sexualleben führen und zusehends frustrierter werden und sich Ihrem Partner gegenüber immer abweisender verhalten, dann wissen Sie wahrscheinlich zumindest im Unterbewusstsein bereits, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Mit zunehmender Frustration und langweiligem „Pflichtprogramm“ in der Ehe bzw. Lebensgemeinschaft sinkt nämlich auch die Hemmschwelle dem Lebensgefährten gegenüber und man wird unversehens immer ungerechter und ekliger ihm gegenüber. Eben weil man in der Beziehung auf Dauer zu viel vermisst. Man projiziert alles Negative auf den Partner, weil einem der „vorenthält“ was man sich doch sehnlichst wünschen würde. 
Nicht alles ist eben mit jedem Menschen auslebbar. Jeder einzelne von uns hat gewisse Grenzen, über die er nicht so einfach hinwegschreiten kann! Das zu erkennen ist der erste Schritt. Sich dann Gedanken darüber machen, was an Essentiellem im Liebesleben fehlt und ob man dauerhaft darauf verzichten will und kann, das ist der zweite Schritt. Alles andere ergibt sich mehr oder minder von alleine. Sobald man sich darüber im Klaren ist, dass mit dem eigenen Partner etwas nicht „machbar“ ist und man grosse Lust verspürt, diesen ungelebten Teil auszuleben, beginnt man bereits nach einem geeigneten „Spielgefährten“ Ausschau zu halten. 
Dieser kann dem eigenen Partner ähnlich sein oder auch komplett anders. Auf jeden Fall ist er eins mit Gewissheit: auf sexuellem Gebiet ganz anders und einem selbst diesbezüglich viel ähnlicher! Interessant ist, dass man beim Kennenlernen bereits instinktiv spürt, dass es der „Geeignete“ ist. Es ist sehr selten, dass man hier irrt, was vielleicht auch damit zusammenhängen mag, dass man bereits ganz genaue Vorstellungen von dem hat, was sich in naher Zukunft abspielen soll. Wenn man dann zum ersten Mal eine Nebenbeziehung führt, hat man mit diversen „Anfangsschwierigkeiten“ zu kämpfen. Nicht nur, dass man dem bisherigen Partner gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, sondern auch damit, dass man es nicht gewohnt ist, Dinge zu verheimlichen und dann plötzlich mit verschiedensten Kleinigkeiten zu tun hat, die das Ganze zum Auffliegen bringen könnten. 
Wenn man bisher eher ein Stubenhocker war und plötzlich fortgeht, kann das schon einmal Misstrauen hervorrufen. War man bisher schon viel mit Freunden bzw. Freundinnen unterwegs, dann fällt es nicht weiter auf, wenn man weiterhin unterwegs ist. Viele bevorzugen ONS, also ständig wechselnden Sex mit diversen anderen Partnern. Man kennt einander kaum bis gar nicht, im Internet gibt es Plattformen, auf denen man sich schnell und zwanglos kennenlernen kann und wo es bereits beim ersten Treffen ohne Umwege zur Sache gehen kann, weil beide wissen, worum es geht und worauf es ankommt. Um emotionalen Verstrickungen und näheren Bindungen zu „entgehen“ wird dann rasch - oft sogar nach einem einzigen Treffen – das Weite gesucht und zum Nächsten bzw. zur Nächsten gewechselt. Dieser Vorgang wiederholt sich dann immer wieder.
Für Viele ist ein One Night Stand aber nicht das Non-plus-ultra. Man vermisst die Zärtlichkeit, es geht nur um schnellen Sex, um „Konsumation“ des anderen... man weiss nichts von einander, nimmt keinen Anteil am Leben des anderen und es kann sich keine wirklich intime Beziehung aufbauen. Auch weiss man nicht wirklich etwas über die sexuellen Vorlieben des anderen, die oft durch eine Art „Hemmschwelle“ zu Beginn erst mit zunehmender Dauer einer Affäre zum Vorschein kommen. Man kennt einander dann bereits besser, entwickelt im besten Fall viel Vertrauen zueinander und es lassen sich plötzlich Dinge ausleben, zu denen einem bisher der Mut gefehlt hat, weil sie mit dem eigenen Lebensgefährten auch nicht machbar waren und dieser diesbezüglich eine andere Einstellung hatte. Oft tun sich dann ganz andere Welten auf – man entwickelt eine Vorliebe zu Sex an ungewöhnlichen Orten, traut sich an extreme Dessous heran (Lack, Leder, etc.), verwendet ungewöhnliches Liebesspielzeug, etc. Dadurch fühlt man sich wieder lebendig – die Experimentierfreude und Neugier erwacht und wenn man Glück hat, dann hat man in der Affäre einen Sexualpartner gefunden, der bei allem mitmacht, was man bisher aus Rücksicht auf den bisherigen Partner nicht praktizieren konnte. Mit zunehmender Dauer der Aussenbeziehung wird man auch immer geschickter. Man benützt ein eigenes Kennwort für den PC, um die Emails des/der Geliebten ungestört empfangen und an ihn/sie versenden zu können. Man entschliesst sich zu einem heimlichen Wertkarten-Handy, um zur geeigneten Zeit ungestört mit dem Liebhaber/der Liebhaberin telefonieren zu können. Man nimmt ein 1000sms-Package zu günstigem Tarif vom Handy-Anbieter, um nicht über die Kosten für die vielen SMS nachdenken zu müssen. Man registriert sich in einem Internet-Forum, um dort nach Lust und Laune miteinander chatten zu können, und man legt sich 1000 Ausreden parat, falls man bei irgendetwas davon ertappt wird.
Bei jeder Affäre ist es auch so, dass nicht nur die sexuelle Komponente sehr stark ist, sondern dass die Sehnsucht nach einander natürlich auch dadurch lebt, dass man nicht so ganz einfach Treffen vereinbaren kann, sondern sich nur mehr oder minder heimlich und an den eigenen Partnern „vorbei“ treffen kann. Es ist der zusätzliche „Reiz des Verbotenen“, der für einen Extra-Kick sorgt. Wie schön ist es dann doch, einander nach einigen Tagen der „erzwungenen Abstinenz“ dann endlich wieder in den Armen zu liegen und sich miteinander der gemeinsamen Lust, dem gemeinsamen Vergnügen hinzugeben. Es ist also kein Wunder, dass Affären über lange bis sehr lange Zeit gut gehen können. 
Im besten Fall entdeckt man sogar, dass die Affäre besser zu einem passt als der bisherige Partner. Wenn die Affäre der gleichen Meinung ist, findet eine – zugegebener massen schmerzhafte Trennung – von den bisherigen Lebensgefährten statt und man beschliesst, den Lebensweg gemeinsam weiter zu gehen. Und wenn nicht: dann hatte man (von wenigen Fällen abgesehen, wo sich die Beteiligten dann nach Beendigung der Affäre biestig zueinander verhalten, weil einer mit der Trennung schlechter zurecht kommt als der andere) eine wunderschöne Zeit miteinander, hat vieles miteinander erlebt und konnte sich einmal wieder so richtig austoben. Meist bleibt es dann auch nicht bei dieser einen Affäre – man hat eben herausgefunden, dass es da noch viel mehr zu entdecken gibt. Affären bleiben eines der wenigen Abenteuer, die wir in unserer heutigen zivilisierten Welt erleben können. Und was wäre das Leben ohne Abenteuer?

 

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